KI füllt jetzt ganze Meldeformulare aus
Als Bonn sein Anliegenmanagement unter anliegen.bonn.de relauncht hat, war die KI-Bilderkennung bereits ein zentrales Feature: Bürger laden ein Foto hoch, und das System schlägt automatisch die passende Meldekategorie vor. Das war ein solider erster Schritt. Der zweite Schritt in den neuesten Versionen von Mark-a-Spot hat deutlich mehr Tragweite: Die KI füllt jetzt ganze Meldeformulare aus.
Open311-Servicedefinitionen: Das fehlende Stück
Eines der stärksten Features von Open311 ist das System der Servicedefinitionen. Jede Meldekategorie kann strukturierte Attribute definieren: Dropdowns, Radio-Buttons, Freitextfelder, die genau die Informationen erfassen, die Sachbearbeiter in der Verwaltung für Zuweisung und Bearbeitung brauchen. Eine Meldung zur Ampel kann etwa "Signalproblem" abfragen (Taster defekt, außer Betrieb, flackert, falsche Schaltung) und "Kreuzungstyp" (Fußgängerüberweg, Fahrzeugkreuzung, Radampel). Eine Meldung zu einem Straßenschaden kann nach Schadensart und Schwere fragen.
Diese Servicedefinitionen sind der Unterschied zwischen einer vagen Meldung im Sinne von "irgendwas ist kaputt" und strukturierten, handlungsfähigen Daten. Doch bisher hat die KI nur die erste Hälfte übernommen: Sie hat Kategorie und Beschreibung vorgeschlagen. Die Attribute der Servicedefinition mussten Bürger manuell ausfüllen, Dropdown für Dropdown. Zusatzinformationen, die pro Kategorie frei definiert werden können, wurden bisher erst vor Ort von der Instandsetzung ermittelt und dokumentiert, ohne dass sich die Kolleg:innen vorab vorbereiten konnten.
Diese Hürde ist jetzt weg.
Ein Foto, ein API-Call, alles vorausgefüllt
Das aktualisierte Modul markaspot_vision ändert das. Wenn ein Bürger ein Foto hochlädt, erhält die KI nicht nur das Bild, sondern auch den vollständigen Satz an Servicedefinitionen für alle Kategorien, inklusive sämtlicher Attributoptionen. Zurück kommt in einer einzigen Antwort: Kategorie, Beschreibung und Attributwerte.
Ein konkretes Beispiel aus Amsterdam: Ein Bürger fotografiert eine beschädigte Ampel an einer Straßenkreuzung. Die KI erkennt die Situation und liefert in einer einzigen Antwort die Kategorie "Ampelanlagen", setzt "Signalproblem" auf "Physischer Schaden", wählt als Kreuzungstyp "Fahrzeugkreuzung" und trägt bei "Anzahl betroffener Signale" eine 1 ein. Der Bürger sieht ein vollständig vorausgefülltes Formular und muss nur noch bestätigen oder anpassen.
Graceful Degradation inklusive
Nicht jede Kategorie hat Attribute in der Servicedefinition. Für diese Fälle bleibt das Verhalten unverändert: Die KI liefert Kategorie und Beschreibung, das Attribut-Array ist einfach leer. Nichts bricht, für den Bürger sieht nichts anders aus.
Was das in der Praxis bedeutet
Für Bürger: weniger Taps, weniger Raten. Für die Verwaltung: eingehende Meldungen bringen von Anfang an mehr strukturierte, präzise Daten mit. Das heißt weniger manuelle Nachsortierung und schnelleres Routing an die zuständige Stelle.
Jetzt ausprobieren
Das Feature ist in der Amsterdam-Demo live. Laden Sie ein Foto hoch und beobachten Sie, wie sich das Formular automatisch füllt. Für einen vollständigen Walkthrough mit den Servicedefinitionen Ihrer Kommune fordern Sie eine Demo an.
Warum strukturierte Daten mit der Zeit an Wert gewinnen
Der Standard der Open311-Servicedefinitionen ist so entworfen, dass Kommunen ihre definierten Services / Kategorien individuell definieren können. Das zahlt sich sofort aus: Strukturierte Meldungen lassen sich leichter zuweisen, priorisieren und abschließen.
Der eigentliche Mehrwert entsteht aber über die Zeit. Ein Schadensdatensatz mit Art, Schwere, Oberflächenmaterial und präzisen Koordinaten ist nicht nur heute nützlich. Er speist Dashboards, informiert die Instandhaltungsplanung und wird zur Trainingsgrundlage für die nächste Generation von KI-gestützten Analysewerkzeugen. Der Unterschied zwischen "auf der Hauptstraße ist was kaputt" und einem strukturierten Datensatz ist der Unterschied zwischen einem Ticket, das menschliche Interpretation braucht, und einem, auf das ein System direkt reagieren kann.
Jede Meldung, die mit sauber gefüllten Attributen eingeht, ist eine Investition. Wer diese Gewohnheit jetzt in den Meldeprozess einbaut, über Servicedefinitionen und KI-gestütztes Ausfüllen, hat die Daten dann, wenn sie gebraucht werden.
Open Source, standardbasiert, gebaut für die Langstrecke.